Blickwinkel ist immer Plural

Man hat einen Blickwinkel und ist der Meinung, dieser sei richtig. Das mag subjektiv so sein, gilt jedoch nicht nur für einen selbst, sondern auch für alle Konfliktbeteiligten.

Und so schaut jeder aus seiner Ecke des Konfliktquadrates auf den anderen, wundert sich über dessen Sichtweise, ärgert sich über Aussagen und beruft sich nicht selten auf die Richtigkeit seines eigenen Blickes. Blickwinkel sind immer Plural, denn es gibt selten „den“ einzig wahren Blick, es geht eben nicht um Recht oder Unrecht, sondern immer um mindestens zwei Möglichkeiten, wie eine Situation gesehen werden kann. Und Sie und ich wissen: zwei ist noch reichlich untertrieben.

Dass diese Annahme besonders in Konfliktsituationen gerne außen vor gelassen wird, liegt in der Sache der Natur. Gehen Sie immer davon aus, dass es noch eine andere Sichtweise als die eigene gibt.

  • Lässt man zwei Menschen einen Unfallhergang beschreiben, fragt man sich nicht selten, ob wirklich derselbe Vorgang gemeint ist.
  • Geschwister, die eine komplett unterschiedliche Sichtweise ihrer Kindheit haben,
  • Paare, die über Situationen berichten, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnte.

Menschen empfinden immer subjektiv, nehmen anders wahr, haben unterschiedliche Werte und Bedürfnisse. Es ist nicht immer leicht zu akzeptieren, dass es noch einen weiteren Blickwinkel gibt, noch eine andere Möglichkeit, eine Situation zu betrachten und zu bewerten. Was für den einen Menschen ein Witz ist, bedeutet für einen anderen Angriff auf die größten Werte. Was für den einen Kollegen eine lapidare Nebensächlichkeit, ist für den anderen eine nicht auszuhaltende Situation.

Nun ist es leicht, in diesen Momenten zu sagen, dass der andere das doch alles etwas zu kompliziert sieht, das Gespräch unnötig in die Länge zieht, nicht gewillt ist an der Lösung zu arbeiten. Doch was nutzen diese Sätze im Sinne einer Lösung? Es ist wesentlich lösungsorientierter zu wissen, dass es unterschiedliche Blickwinkel gibt, dies anzuerkennen und zu versuchen, Gemeinsamkeiten zu entdecken, statt sich über die Dinge auszutauschen, die trennen. Der eigene Blickwinkel ist richtig. Der des Gegenübers ebenso.

Die eigene Sicht auf die Lage zu benennen: für einige Menschen leicht, für andere besonders schwierig. Ängste und Gefühle, man will alles richtig machen, nicht noch zusätzlichen Stress haben, gar nicht immer leicht, sich zu äußern, zu offenbaren, ein Risiko einzugehen. Doch in Konfliktsituationen ist es wichtig, klar die eigene Haltung zu kommunizieren und sich zu zeigen, denn nur dann können schwierige Gespräche auch so geführt werden, dass sie konstruktiv sind und der Konflikt genutzt werden kann. Der eigene Blickwinkel entscheidet ebenso über den Verlauf und den Ausgang der Situation, wie die der anderen, denn:

Blickwinkel ist immer Plural

Nun zum Alltag in unendlich vielen Büros:

Hier könnten viele Beispiele stehen, aber was nutzt Jammerei?
Wir alle haben die Wahl, es besser zu machen.
Ziehen wir es mit aller Konsequenz im nächsten Konflikt- oder Streitgespräch einfach durch.

 

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Konflikte jetzt lösen. Kirstin Nickelsen