Durchgekaute Konflikte

Konflikte können sich ziehen wie Kaugummi. Die klebrige Masse pappt am Gaumen und dennoch kauen wir auf dem ollen Ding noch lange herum, obwohl der Geschmack unsere Kindheitserinnerungen längst nicht mehr mobilisiert, geschweige denn unseren Atem erfrischt.


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Spucken wir das klebrige Ding also einfach aus. Das liest sich, wenn überhaupt, angenehmer als es in der Tat manchmal zu bewerkstelligen ist, aber Fakt ist auch: Vorbei ist vorbei. Da schmeckt gar nichts mehr, ist nichts mehr süß, nichts mehr cool, alles nur noch zäh. Der neue Bußgeldkatalog in Deutschland sieht übrigens vor, dass das Wegwerfen von Kaugummis demnächst bis zu 250 Euro kosten kann. Suchen wir uns also einen angemessenen Ort, an dem wir uns des Konfliktes entledigen.


Dass das Kauen eines Kaugummis positiv die Aufmerksamkeit erhöht, ist unbestritten und bewiesen. Durch die anregende Wirkung u.a. durch die Arbeit der Kaumuskulatur, die die Blutversorgung des Kopfes und damit die Blut- und Sauerstoffversorgung des Gehirns verbessert, können wir uns besser konzentrieren. Bedauerlich, dass dieser Effekt bei den meisten Menschen ausbleibt, wenn sie sich über Monate hinweg mit einem Konflikt beschäftigen. Kauen hilft also bei der Stressbewältigung- aber wirklich nur bei einem Kaugummi, denn bei einem Konflikt nimmt der Stress leider meistens zu. Konfliktstudien des Beratungsunternehmens KPMG zeigen, dass circa 10 bis 15 Prozent der Arbeitszeit für Streitereien mit Kollegen, Kunden und Zulieferern drauf gehen, wohingegen es leider keine Angaben über die längste Kauzeit eines Kaugummis gibt. Allerdings misst dafür die größte Kaugummiblase 58,4cm. Und dann knallt sie hoffentlich richtig laut.


Ein Konflikt und ein Kaugummi haben aber auch etwas gemeinsam: beide lösen sich nicht durch den Kauprozess auf. Während ein Kaugummi aus 50 Prozent Zucker und Kunstofffen, vorwiegend Polyisobutylen, besteht und sich somit wohl nur schwer bis gar nicht zersetzt, ist es auf der anderen Seite die schlechte Stimmung, miserable Arbeitsatmosphäre und Magenschmerzen, die sich nicht einfach in Luft auflösen. Aber der Knall ist auch hier vorprogrammiert.


Vielleicht ist es also gar keine schlechte Idee, dass wir einen Bußgeldkatalog für nicht geklärte Konflikte erstellen. Je nach Eskalationsstufe wird es immer teurer und der Strafzettel dient als Ermahnung, in der nächsten Konfliktsituation zügig zu reagieren. Auf Beweisfotos wird aber verzichtet, immerhin.

 

Klingt alles irgendwie sehr klebrig, davon mag ich gerne mehr lesen.


  

Konflikte jetzt lösen. Kirstin Nickelsen