Haltung erfordert Anwesenheit

In Konfliktsituationen prallen Meinungen und Gegensätze aufeinander, kollidieren Interessen und stehen Gefühle vor der eigenen Tür Schlange: nur wenig Menschen sind verwundert, dass dies keine Situationen sind, die man sich herbei sehnt. Besonders in Konflikten ist es anstrengend für sich und die eigene Meinung einzustehen, während z.B. die andere Hälfte des Teams ganz anderer Meinung ist. Haltung setzt absolute Anwesenheit voraus, echte Präsenz, ein Einlassen auf die Situation, mit all ihren Tücken und Haken, mit all den Schwierigkeiten, die eine solche Situation mit sich bringt.

Getrimmt auf Harmlosigkeit und Austausch von Nettigkeiten trotten jedoch die meisten Menschen durch ihren (Berufs-)Alltag und kaum droht die Stimmung zu kippen, verlassen sie fluchtartig den Raum, um bloß nicht in Wortgefechte involviert zu werden. Längst vorbei ist die Zeit der hitzigen Debatten auf den Fluren, lange vergessen sind die vielen Besprechungen mit Zigarettenqualm und vierzig Kannen Kaffee.

Reibung erzeugt Wärme. Aber ein Schal tut es doch auch!

Statt heftiger Streite wollen Menschen lieber einer Meinung sein, sich nett finden und im gedanklichen Einheitsbrei die Vielfalt lieben. Es ist so leicht, zu schweigen, der Wut keinen Spielraum zu geben und die eigenen Ideen des Spielfeldes zu verweisen. Ein gutes Gespräch, und ein Streit ist nichts anderes als das, erfordert aber Zeit, die sich kaum ein Mensch nimmt. Wer investiert noch in eine Auseinandersetzung, wenn das Anklicken eines Daumens so viel näherliegt und alles sagt, was man sich nicht mehr traut auszusprechen?

Die beste Technik in Konfliktsituationen: keine Technik!

Viele Menschen sind fast schon übertrainiert, so sehr mit Technik durch- und überflutet, dass sie kein Gefühl mehr für echte Kommunikation haben. In ihren Köpfen geistern Regeln wie „Nutzen Sie keine Ich-Formulierungen!“ oder „Konjunktive sind verboten“, dass auf den echten Inhalt nicht mehr geachtet wird. Und nur auf den kommt es an, denn keine Technik ist so gut, dass sie eine klare Haltung übertüncht.

Es reicht nicht, vor der eigenen Tür zu kehren.
Man muss den Dreck auch wegmachen!

Es ist leicht den Finger zu heben, dem Gegenüber die Schuld geben und die Verantwortung nicht zu übernehmen. Wirklich interessant wird das Spiel der Konflikte jedoch erst, wenn man für ein aufgeräumtes Feld sorgt – und zwar bei sich selbst. Dass das nicht leicht ist, liegt auf der Hand, die man sich am Anfang auch mal dreckig macht. Und dann wird es besser gemacht, noch besser umgesetzt, gelernt und gelebt.

Haltung macht sichtbar

Eine klare Position zu beziehen, ist nicht immer leicht, schon gar nicht in Streitgesprächen: Ein „Nein“ wirkt manchmal wahre Wunder, eigene Bedürfnisse und Wünsche zu äußern, Meinungen zu diskutieren und sie ggf. zu verändern, auszuhalten, dass man nicht alles weiß, schon gar nicht immer im Recht ist, manchmal auch Angst hat, all das bedeutet aktive Gestaltung: der Arbeitszeit, der privaten Beziehungen, des eigenen Lebens. Und theoretisch dürfen Sie hier auch das Modewort Selbstführung einsetzen, von dem ich praktisch glaube, dass Selbstentwicklung schon immer einen Menschen ausgemacht hat, Führungskraft oder nicht, spielt dabei überhaupt keine Rolle.

Wer streitet, übernimmt Verantwortung für sich und sein Leben – und das hat noch nie geschadet.

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